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Factoring oder Bankkredit?

Factoring bietet im Vergleich zum Kontokorrent eine höhere Liquidität, verbessert das Rating, erfordert keine Sicherheiten und erhöht die Eigenkapitalquote.

Factoring oder Bankkredit (Kontokorrent) im Vergleich:

Der Unternehmer vergleicht oftmals nur die Kosten eines Kontokorrentkredits mit denen des Factorings. Auf Grund sehr unterschiedlicher Leistungen, Funktionen und Besicherungsanforderungen stellen wir Ihnen die wesentlichen Merkmale und Unterschiede gerne heraus. Ein objektiver Vergleich zwischen Bankkredit und Factoring zeigt die Unterschiede im Detail auf. Mehr dazu auf unserem Blogartikel, s. vorheriger Link).

Factoring vs. Kredit: Unterschiedliche Funktionen

Ein direkter Kostenvergleich zwischen Factoring, Bankdarlehen und Kontokorrentkredit greift in der Praxis häufig zu kurz. Der Grund liegt darin, dass es sich um unterschiedliche Finanzierungsinstrumente mit jeweils eigener Funktion im Unternehmen handelt. Während Bankdarlehen in der Regel für langfristige Investitionen genutzt werden, dient der Kontokorrentkredit als kurzfristige Liquiditätsreserve. Factoring hingegen ist eine umsatzbezogene Finanzierung, die sich direkt an den offenen Forderungen orientiert.

Ein reiner Preisvergleich würde daher Äpfel mit Birnen vergleichen, da nicht nur die Kosten, sondern vor allem die Wirkungsweise entscheidend ist.

Factoring-im-Vergleich-zum-Bankkredit
Factoring unterscheidet sich grundlegend von klassischen Kreditformen, da weder eine Rückzahlung erforderlich ist noch die Bilanz zusätzlich belastet wird.

Kosten vs. Wirkung: Was ist wirklich „preiswert“?

Die Frage nach der günstigsten Finanzierung lässt sich nur beantworten, wenn neben den Kosten auch die wirtschaftliche Wirkung berücksichtigt wird. Factoring verursacht zwar Gebühren, reduziert jedoch gleichzeitig Außenstände, verbessert die Liquiditätsplanung und entlastet das Debitorenmanagement. Ein Kontokorrentkredit wirkt auf den ersten Blick günstiger, kann jedoch bei dauerhafter Nutzung durch Zinsen und hohe Auslastung deutlich teurer werden.

Auch Bankdarlehen erscheinen oft kostengünstig, sind jedoch nicht flexibel und meist zweckgebunden und müssen zurückbezahlt werden. Entscheidend ist daher nicht der Zinssatz allein, sondern die Gesamtwirkung auf das Unternehmen.

Wann welches Instrument sinnvoll ist

In der Praxis ergänzen sich Factoring, Kontokorrentkredit und Bankdarlehen häufig, anstatt miteinander zu konkurrieren. Factoring eignet sich besonders zur Finanzierung von laufendem Geschäft und Wachstum, während Kontokorrentlinien kurzfristige Schwankungen ausgleichen. Bankdarlehen kommen vor allem bei Investitionen zum Einsatz.

Unternehmen, die diese Instrumente gezielt kombinieren, erreichen eine deutlich stabilere Finanzierungsstruktur. Die Entscheidung sollte daher immer auf Basis der jeweiligen Unternehmenssituation getroffen werden.

Praxisbeispiel 1 – Handelsunternehmen

Ein Großhändler mit 2,4 Mio. € Jahresumsatz nutzte dauerhaft seinen Kontokorrentkredit zur Vorfinanzierung von Waren. Obwohl die Zinsen moderat erschienen, führte die permanente Auslastung zu hohen Kosten und eingeschränkter Liquidität. Nach Einführung von Factoring konnte der Kontokorrent deutlich reduziert werden.

„Wir haben vorher nur auf den Zinssatz geschaut. Erst durch Factoring wurde uns klar, wie viel Liquidität tatsächlich gebunden war.“
— J. L., Geschäftsführer, Großhandel

Praxisbeispiel 2 – Handwerksbetrieb

Ein Handwerksbetrieb finanzierte Materialeinkäufe über einen Kontokorrentkredit und einzelne Investitionen über Bankdarlehen. Durch die Einführung von Factoring wurde die laufende Liquidität stabilisiert und die Abhängigkeit von der Kreditlinie reduziert.

„Heute nutzen wir den Kontokorrent nur noch punktuell. Factoring hat unsere Planung deutlich verbessert.“
— S. K., Inhaber, Handwerksbetrieb

 

Factoring Vorteile:

Der größte Vorteil beim Factoring im Vergleich zur Kontokorrentlinie oder Bankkredit liegt darin, dass die durch den Forderungsverkauf zugeführte Liquidität nicht irgendwann zurückgeführt werden muss. 

Die Nutzung eines Kontokorrentkredits verschlechtert das Banken-Rating. Beim Forderungsverkauf tritt der gegenteilige Effekt ein, die Bilanzkennzahlen verbessern sich.

Factoring vs. Kontokorrent oder Bankdarlehen im Leistungsvergleich:

Der Vergleich zwischen Factoring zu Kontokorrent- oder Bankkredit hinkt ein wenig, da sich beide Finanzierungsformen hinsichtlich der Leistungen und Besicherung elementar unterscheiden.

Neben der Zufuhr frischer Liquidität, ohne die Stellung dinglicher Sicherheiten, entlastet die Factoring-Nutzung Ihr Debitorenmanagement, schützt vor Forderungsausfällen und verbessert Ihr Rating. All diese Vorteile kann die Aufnahme von Bankdarlehn oder die Nutzung von Kontokorrentlinien nicht bieten.

Bei der Forderungsfinanzierung wächst Ihre Finanzierungslinie parallel zum Umsatzwachstum, wobei eine Erhöhung der KK-Linie immer wieder neu besichert werden muss.

Finanzierungsmerkmale

Factoring  

Bankkredit / Darlehen

Stellung dinglicher Sicherheiten nein ja
Finanzierungslinie wächst "automatisch" ja nein
beinhaltet Debitorenmanagement ja nein
beinhaltet Mahn- und Inkassowesen ja nein
beinhaltet Forderungsausfallschutz ja nein
Finanzierungshöhe offener Forderungen 90 - 100 % 25 - 50 %
gilt bilanztechnisch als Eigenkapital ja nein
führt zu Rating-Verbesserung ja nein
Liquidität muss zurückgezahlt werden nein ja


Beurteilen Sie bitte selbst, ob der Vergleich zwischen Kontokorrentzins und Factoringgebühr, auf Grund der doch sehr unterschiedlichen Leistungsmerkmale, tatsächlich angebracht erscheint.

Ein nicht zu unterschätzender Vorteil beim Factoring liegt in der Tatsache, dass Sie Ihre Eigenkapitalquote und damit das Rating in Folge der Bilanzverkürzung nachhaltig verbessern. Diese Vorteile kann die Finanzierung über den Kontokorrent nicht bieten, da die Aufnahme von Bankkrediten (Fremdkapital) Ihre Eigenkapitalquote und damit das Rating generell verschlechtern. 

Factoring verbessert Ihre Eigenkapital- u. Bilanzstruktur

Bilanzstruktur vor Factoring Nutzung

Aktiva   Passiva  
Anlagevermögen  200.000 €  Bankverbindlichkeiten 350.000 €
Sonstige Aktiva  200.000 € Sonstige Passiva   50.000 €
Forderungen Debitoren 600.000 € Verbindlichk. Kreditoren 500.000 €
    Kapital 100.000 €
Bilanzsumme 1.000.000 €   1.000.000 €

Eigenkapitalquote = 10,00 % (Kapital / Bilanzsumme)

 

Factoring und Bilanzverkürzung - Erklärung:

Bilanzstruktur nach Factoring Nutzung

Aktiva   Passiva  
Anlagevermögen  200.000 €  Bankverbindlichkeiten 200.000 €
Sonstige Aktiva  200.000 € Sonstige Passiva   50.000 €
Forderungen Factor  60.000 € Verbindlichk. Kreditoren 110.000 €
    Kapital 100.000 €
Bilanzsumme 460.000 €   460.000 €

Eigenkapitalquote = 21,74 % (Kapital / Bilanzsumme)