Einkaufsfinanzierung: Wo Anbieter noch aktiv sind
Einkaufsfinanzierung im Wandel: Warum heute nur noch wenige Anbieter existieren und für wen sich Finetrading noch lohnen könnte.
Einkaufsfinanzierung: Wo sind die Anbieter geblieben?
Die Einkaufsfinanzierung, auch als Finetrading bekannt, war über viele Jahre hinweg ein gefragtes Instrument im Mittelstand, um Liquidität bei Wareneinkäufen zu sichern. Gerade für Unternehmen, die bankenunabhängig wachsen wollten oder schnelle Einkaufsvolumen benötigten, war diese Finanzierung eine attraktive Alternative. Doch wie sieht der Markt heute aus? Und für wen lohnt sich Einkaufsfinanzierung überhaupt noch?
Funktionsweise der Einkaufsfinanzierung: Finanzierung auf Zeit
Bei der Einkaufsfinanzierung übernimmt ein Finanzdienstleister den Wareneinkauf für das Unternehmen. Der Dienstleister bezahlt den Lieferanten sofort, während das Unternehmen eine verlängerte Zahlungsfrist erhält – in der Regel 60 bis 120 Tage.
Die Besonderheit: Die Einkaufsfinanzierung ist an eine ausreichende Bonität des Antragstellers gebunden. Nur wenn das Unternehmen ein ausreichendes Rückversicherungslimit (Absicherung bei Kreditversicherern) hat, wird eine Finanzierungslinie gewährt.
Beispiel: Möchte ein Unternehmen eine Finanzierung von 200.000 € nutzen, muss der Rückversicherer des Einkaufsfinanzierers ebenfalls ein Limit von mindestens 200.000 € auf das Unternehmen zeichnen.
Entwicklung der Einkaufsfinanzierung bis 2023: Vom Aufstieg zum Umbruch
In den Jahren 2012 bis 2023 boomte die Einkaufsfinanzierung im deutschen Mittelstand. Viele Anbieter positionierten sich erfolgreich als bankenunabhängige Liquiditätsquelle – allerdings zu sehr hohen Konditionen. Zinssätze von 10 % bis 20 % jährlich waren keine Seltenheit.
Mangels Konkurrenz bildete sich eine Art Oligopol, das es den Anbietern erlaubte, hohe Preise und relativ lockere Annahmepolitiken zu etablieren. Diese Praxis rächte sich später: Durch oberflächliche Bonitätsprüfungen und zu lascher Annahmepoilitk gerieten zahlreiche Anbieter ab 2022/2023 in Schieflage – bis hin zur Insolvenz.
Der heutige Stand: Nur noch wenige Anbieter im Markt
Aktuell ist die Einkaufsfinanzierung eine Nische geworden. Viele einstige Marktführer sind verschwunden oder haben sich auf andere Geschäftsmodelle verlegt. Nur noch wenige Anbieter bieten heute Einkaufsfinanzierungen an – und das weiterhin zu sehr hohen Preisen und unter deutlich strengeren Voraussetzungen:
- Strengere Bonitätsprüfung (z.B. Bilanz, Gewinn- und Verlustrechnung, aktuelle BWA, Bankenspiegel, etc.)
- Höhere Anforderungen an die Unternehmensstabilität
- Geringere Finanzierungslinien bei neuen Kunden, überwiegend Begrenzung auf 250 T€
Wer heute eine Einkaufsfinanzierung in Anspruch nehmen möchte, braucht eine sehr gute Vorbereitung und sollte alternative Finanzierungsoptionen ebenfalls prüfen. Der Unternehmerkredit ohne dingl. Besicherung ist hier eine sehr gute und preiswertere Alternative.
Fazit: Für wen lohnt sich Einkaufsfinanzierung heute noch?
Trotz der Herausforderungen kann Einkaufsfinanzierung ein wichtiger Baustein bleiben – allerdings nur unter bestimmten Bedingungen:
- Die Kosten müssen sich im Rahmen der Marge tragen lassen.
- Die Finanzierungslösung sollte flexibel und nur projektbezogen genutzt werden.
- Eine solide Bonität und eine klare Finanzplanung sind Voraussetzung.
Praxisbeispiele:
1. Maschinenbauer mit 8 Mio. € Umsatz:
Bei Großprojekten benötigt der Unternehmer zusätzlich zum Kontokorrentkredit kurzfristig 150.000 bis 300.000 € für den Materialeinkauf. Ohne Einkaufsfinanzierung könnte dieser den Gesamteinkauf für die Gesamtprojekte zwischen 400 T€ - 600 T€ nicht realisieren werden. Da die Marge eine attraktive Rendite zulässt, nutzt der Maschinenbauer die Einkaufsfinanzierung punktuell und gezielt.
2. Leuchtenhändler mit 3,8 Mio. € Umsatz:
Wegen langer Produktions- und Transportzeiten muss der Großhändler häufig An- und Vorzahlungen an asiatische Hersteller leisten. Bis zur Rechnungsstellung und dem tatsächlichen Zahlungseingang vergehen oft 4–5 Monate. Dank sehr hoher Bruttomargen kann der Leuchtenhändler die Kosten der Einkaufsfinanzierung kompensieren und seinen Geschäftsfluss sichern.
Für viele Unternehmen jedoch ungeeignet
In margenschwachen Branchen oder bei geringen Gewinnspannen rechnet sich Einkaufsfinanzierung heute (Konditionen von Mai 2025) nicht mehr. Hier sind klassische Kreditlinien oder alternative Finanzierungen oft wirtschaftlicher.
